Mittwoch, 13. Oktober

Liebes Tagebuch,

kennst Du das, wenn man sich in einer Sache unsicher ist, aber wenn sich die Umstände dann so entwickeln, dass es nicht klappt, weiß man plötzlich, dass man es wollte? Ist mir gestern mit dem Börsenverein-Termin so gegangen – ich hatte abends statt einer Antwort auf meine E-Mail nur eine automatische Abwesenheitsnotiz, und da war ich dann doch sicher, dass ich auf die Buchmesse zum Infotermin wollte. Hab dann die E-Mail nochmal an die Adresse für „dringende Fälle“ geschickt und siehe da, jetzt hab‘ ich einen Termin und ein Fachbesucherticket für nächste Woche! Nächsten Mittwoch schreibe ich Dir dann aus Frankfurt, wenn alles gut geht!

So hat es übrigens auch mit Eules Bücherbaum angefangen: Wochenlang bin ich an dem „Zu vermieten“ – Zettel  vorbei gelaufen, und als ich mich dann endlich durchgerungen hatte, die Vormieterin zu kontaktieren, war am nächsten Morgen der Zettel weg. Da dachte ich dann, ich hätte doch gerne ein Kinderbuchlädchen eröffnet…. Und am nächsten Tag rief die Vermieterin bei mir an, die von der Vormieterin informiert worden war, und jetzt sitze ich hier und höre meinem plätschernden Springbrunnen zu.

Die Bonuseule für den kleinen Bruder wurde schon ordnungsgemäß („machst du einen Ballon?“) als Geburtstagsgeschenk verpackt, meine  Familienmitglieder haben auf ihren Heimwegen reingeschaut und der Nachbar hat mir süße Stückchen gebracht.

Ansonsten war nicht sehr viel los, ein Fall von „Kein Spielzeug, nur ein Buch“, der mich zu der Überlegung gebracht hat, ob die Ansage andersrum nicht mehr Lust aufs Lesen machen würde…

 

Ansonsten bin ich ja sehr für totale Freiheit beim Bücher Aussuchen, vor allem wenn es um Titel geht, für die die Kinder angeblich schon zu groß sind. Liebes Tagebuch, sag’s keinem weiter, aber ich habe eine Riesenkiste uralter Pixibücher. Die sammele ich nicht nur, die LESE ich auch, wenn ich mal einen ganz weit entfernten und vollkommen sicheren Rückzugsort brauche. Natürlich machen Bücher schlau und helfen beim Aufwachsen, aber sie sorgen auch für Sicherheit und Entspannung, schaffen wunderbare Erinnerungen und geben Kindern die Kontrolle über Situationen, denen sie im Alltag ausgeliefert sind. Sie verleihen schönen Momenten Dauer, was einem ja sonst verweigert wird, und sie machen Spaß! Und wenn es dann unbedingt um Förderung gehen muss, kann ich nur sagen, dass entspannte und geborgene Kinder es wahrscheinlich auch leichter haben mit dem Schlau-Werden. Bis morgen!

Dienstag, 12. Oktober

Liebes Tagebuch,

Also ich möchte ja nicht der Sparkasse Konkurrenz machen, aber ich habe dann doch eingewilligt, privates Geld (4€)  für spätere Einkäufe in einem Umschlag bei mir aufzubewahren.

Das Problem: man bekommt pro Tag und Einkauf nur einen Eulensticker auf sein Bonuskärtchen, weshalb es nicht schlau ist, wenn man nur 5€ hat, 5 Tütchen Loombands auf einmal zu kaufen. Aber wie soll man verhindern, dass das Geld am nächsten Tag weg ist, weil man saure Schnüre kaufen musste, obwohl man doch so sehr auf die Bonuseule wartet, um sie seinem kleinen Bruder zum Geburtstag zu schenken? Jetzt ist das restliche Geld sicher hier verwahrt, und sorgt täglich für eine Tüte Loombands und einen Bonussticker…

Ich kam heute zwei Minuten zu spät und wurde schon erwartet („wir dachten, du hast einen Termin“), weil es nicht so einfach war, eine E-Mail an den Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zu beenden, die ich schon vor vier Wochen hätte schreiben müssen. Es geht um eine Einladung zu einem Infotermin zur Mitgliedschaft auf der Buchmesse. Der Börsenverein ist so eine Sache.  Die Tatsache, dass ich mein „eigenes Ding“ mache, gibt mir viele Freiheiten, auch Freiheiten zu sehr flexiblen Serviceleistungen, und das ist schon etwas Besonderes. Auf der anderen Seite würde ich manche Dinge schon gerne professioneller angehen und auch gerne offiziell zur größten „Buchmenschen-Vereinigung“ in Deutschland gehören – aber, wie ich mal in einem Roman gelesen habe: als Napoleon hörte, dass von x Argumenten über das Fortführen einer Schlacht ein Argument war, dass es keine Munition mehr gab, wollte er die anderen zu Recht nicht mehr hören (571€ Jahresbeitrag im Börsenverein für die umsatzschwächste Kategorie von Buchhandlungen). Naja, ich hab jetzt mal hingeschrieben, mal sehen, was passiert. So oder so wird Eules Bücherbaum immer ein „Kleiner Laden“ bleiben, wie er in dem schönen Buch „Herzblut – eine Liebeserklärung an den kleinen Laden“ von Eva-Maria Altemöller  beschrieben wird. Und das Schöne ist, während viele kleine Läden aus verschiedenen Gründen teurer als große sein müssen, sind meine Läden sogar besonders günstig, das muss doch was werden…

 

Aber jetzt genug abgeschweift, es gab auch noch Kundschaft und ich möchte Dir auf keinen Fall vorenthalten, dass ich von meiner letzten kleinen Kundin, die sich eine Papageien-Nagelfeile aus der Schatzkiste ausgesucht hatte, Folgendes gelernt habe: Ein Graupapgei ist in der Lage, 950 Wörter zu lernen! Damit dürfte er locker in der Lage sein, unsere neuen „Miss Elli“ Erstlesebücher vorzutragen…  Bis morgen!

Montag, 11. Oktober

Liebes Tagebuch,

was für ein rundum wunderbarer Tag! Es ging los mit einem Buch und einer Karte für eine kranke Freundin – die Karte wurde gleich im Laden geschrieben und das Buch als Geschenk verpackt, so konnte die kleine Kundin gleich zum Besuch weiter gehen.

Es werden auch schon erste Einkäufe für Adventskalender getätigt und der absolute Hit waren heute die St. Martin-Bücher. Es wird also Herbst und es wird Winter – und die Heizung funktioniert wunderbar! Dafür sind die neuen Glühbirnchen durchgeschmort…

Heute habe ich mich mal wieder über die tolle zentrale Lage von Eules Bücherbaum gefreut, weil immer wieder Bekannte vorbei schauen und einfach nur Hallo sagen, mir die neuesten Ereignisse aus ihrem Leben erzählen oder von ihren Kindern berichten. Hat mich wirklich sehr gefreut zu erfahren, dass eine ehemalige Stammleserin von „Sweet Things & Stories“ aktuell alte Familienausgaben von Goethe und Schiller liest. Bookworms unite! Es lebe das Gute, Schöne, Wahre!

Ja und dann sind meine kleinen „Hauptverdächtigen“ wieder aufgetaucht, haben sich beängstigend vorbildlich verhalten und ihr Geld für die kranken Kinder gespendet (in die Spendendose des Vereins der Palliative-Care-Teams auf der Theke).  Ich schließe den Fall ungeklärt und bin froh, dass wir Freunde sind , und, wie es in meiner Familie heißt, „‘n bisschen Verlust ist immer“.

Meine ganz besondere Freundin hat mich heute mit wunderschönen Teelichtern auf Zierkürbissen mit Zieräpfelchen besucht, und wir waren beide noch im Laden, als die Kindergartenleitung, bei der damals auch unsere Kinder waren, zum zweiten Mal vorbeischaute. Wir haben beschlossen, den Abend alle in Gedanken zusammen gemütlich mit diesen schönen Lichtern  zu verbringen, und wenn möglich mit der Online-Version von Malmsheims aktuell statt findendem Hoffnungsfest im Gemeindehaus.

Das sind so schöne Erinnerungen, und es immer ein Highlight für mich, die Menschen zu treffen, deretwegen  Malmsheim wirklich ein Zuhause ist – wie auch die Leiterin der Kinder- und Jugendbücherei nur zwei Häuser weiter, die heute ein paar Bücher ausgesucht hat. Die „Kinderzweigstelle Malmsheim“ der Renninger Bücherei  (bzw. seit fünf Jahren sehr schick „Mediathek“) war viele Jahre lang für meine Tochter und mich Schatzinsel und Zufluchtsort an manchmal doch sehr langen Tagen zu zweit.

 

Und dann so gegen Ende stellte ich mal wieder fest, dass ich kein Abendessen hatte – aber mit so einer guten Freundin kann man sogar noch schnell vor Ladenschluss zum CAP rennen und währenddessen ein letztes Buch verkaufen…. Und dann den Laden schließen und mit einer eiskalten Tasche voller Rabenmutter-Tiefkühlsnacks, aber einem sehr warmen Gefühl im Bauch nach Hause gehen. Bis morgen! 

Donnerstag, 7. Oktober 2021 

Liebes Tagebuch,

ein paar der wunderschönen Handarbeiten von Malmsheimer Künstlerinnen im Laden haben „Füße bekommen“, ebenso wie verschiedene andere Kleinigkeiten. Bin ich sauer/ traurig/ enttäuscht? Kommt drauf an, wenn ich auf mich schaue, wahrscheinlich schon, wenn ich die schlauen emsigen Diebe betrachte eher nicht. Sie haben auf jeden Fall eine geschmackvolle Wahl getroffen… Immer eine blöde Situation – ich wünschte, einer von den tollen Detektiven aus meinen Kinderbüchern (Hund, Katze, Papagei, Hamster, Schildkrötenagentin Agathe oder von mir aus auf ihre alten Tage auch nochmal Emil oder Kalle Blomquist aus dem Lesebett) könnten mir helfen, den Fall auf die bestmögliche Weise zu lösen…

A propos Bücher aus dem Lesebett:  Hab heute gemerkt, dass man sich schon ziemlich anstrengen muss, wenn man die als Erwachsener durchgucken/ kaufen möchte, aber für etwas seltenere Buchschätze heißt es halt auch mal graben – oder ein Kind mitbringen, das für einen krabbelt und klettert…

Es gibt ein paar Probleme mit der Beleuchtung. Mein Mann rückte heute mit der Leiter an (mitten in einem Ponybuchverkauf) und hatte auch neue Birnchen besorgt, aber eins ging sofort kaputt und vier Lämpchen über dem Fenster lassen sich nicht austauschen. Mal sehen, wie sich das lösen lässt – da gibt es ja so viel zu sehen! Habe heute die Titel zum Tag der Deutschen Einheit aus dem Fenster geräumt und es mit Herbstbüchern bestückt. Interessanterweise ist Herbst immer die große Zeit für Waldtiere – als würden Eulen, Bären, Dachse, Igel, Eichhörnchen und Co. sonst nicht durchs Gehölz streifen.

Ich habe ein klasse Eichhörnchenbuch testgelesen: „Die Nussknackerbande“ von Lynne Rae Perkins. Es hat Freundschaft und Abenteuer und ist konsequent aus der Eichhörnchenperspektive geschrieben und das so superwitzig, dass man sofort in die nächstbeste Kindergruppe (Matheunterricht, Sportverein, Jungschar…) eindringen möchte und ungebeten anfangen vorzulesen. Allein schon die Stimmen von Jed, Chai und Tschk Tschk…

 

Bis nächste Woche! 

 

 

Mittwoch, 6. Oktober 2021

Liebes Tagebuch,

heute hat mir meine wunderbare Vermieterin ein Stück von ihrem frisch gebackenen Hefezopf  in den Laden gebracht. Er war noch warm, was mich daran erinnerte sie zu fragen, wie die Heizung funktioniert. Sie wusste es auch nicht, hat aber die Anleitung gefunden. Ich freue mich darauf, im Winter im Buchladen zu sein – und auf den ersten Schnee! Aber ich hoffe, dass es bis dahin kuschelig warm hier drin ist, und hell und heimelig und ideale Lesestimmung.

Der Hefezopf duftete betörend und ich habe ihn angeknabbert…

Leider war der zweite Besucher der Postbote, der meinen Namen immer wie eine Arie schmettert, und der hatte wenig ermutigende Post für mich. Es wird nicht einfach, den Laden zu finanzieren, aber das war natürlich klar. Es ist wie bei Sterntaler: himmlische Währung in Form von Freundlichkeit, schönen Begegnungen, begeisterten Kindern, Hefezopf… fällt mir in den Schoß, dass ich nur staunen kann, aber man kann leider nicht überall damit bezahlen.

Ich habe endlich die Kinderbücher aus dem Lesebett fertig inventarisiert. Das braucht immer etwas Extrazeit, weil es so viel Spaß macht, in den alten Kinderbuchschätzen herumzublättern. Wie ruhig und geordnet die Kinderbuchwelt in den 70ern und 80ern noch war…. Schön eingeteilt nach Anfangsbuchstabe, Anzahl, Tierart  oder Jahreszeit, doch alles hatte seine eigene Poesie und Verheißung. Das habe ich im Bilderbuch „Das Jahr beginnt im Januar“ von Hilde-Heyduck-Huth und Barbara Cratzius für den Oktober gelesen:

„Der Oktober sagt zu den Winden: Los! Ihr habt genug geschlafen! Reißt den Leuten die Hüte herunter und wirbelt ihre Jacken hoch! Zaust die Äste wild durcheinander, dass die bunten Blätter durch die Luft tanzen. Die Kinder haben schon so auf euch gewartet! Lasst die Drachen hochsteigen, immer höher über die kahlen Felder! Den Wetterhahn auf der Kirchturmspitze fasst am Schwanz und dreht ihn herum, bis ihm schwindlig wird. Und dann blast in die Kartoffelfeuer, dass die Flammen hochschlagen und der Rauch übers Land zieht. Die Äpfel und Birnen reißt ihr alle von den Bäumen. Nur die roten Hagebutten und die Sanddornbeeren lasst hängen. Die brauchen die Amseln und Krähen noch für den kalten Winter.“

 

Bis morgen!

 

 

Dienstag, 5. Oktober 2021

Liebes Tagebuch,

heute bleibt nicht viel Zeit zum Schreiben, da die Ladenzeit eingequetscht war zwischen Zahnarzt und Elternabend.

Dazwischen war viel los, und die Buchverkäufe und Bestellungen haben gezeigt, was Bücher alles können:

Bücher zum Trösten, um sich zu versöhnen, zum Erklären,  als Geschenk für den Gastgeber, fürs Wartezimmer , um von Gott zu sprechen und NATÜRLICH auch, um etwas über die tollsten Tierfähigkeiten zu erfahren und sich mit Piraten  oder der Eiskönigin zu treffen!

Die Magie ist da, manchmal verstärkt durch „Fell“ auf den Ponystickern, eine 3-D-Brille fürs Dinobuch oder  eine App mit Soundeffekten zum Buch, aber die Grundlage sind Wörter und Bilder, durch die eine Geschichte nicht nur lebendig, sondern auch verschenkbar wird.

 

Bis morgen!

 

 

Montag, 4. Oktober 2021   

Liebes Tagebuch,

das Tagebuchschreiben in meinem englischen Buchlädchen macht solchen Spaß, dass ich beschlossen habe, auch im Kinderbuchlädchen „Eules Bücherbaum“ damit anzufangen.

Das winzige wildgelockte Mädchen, das alle (also ALLE), Dinosauriernamen wissen wollte, der Junge der über eine Stunde gewissenhaft den Laden nach dem besten Geschenk für seinen Vater „und etwas für mich selbst“ durchsuchte und all die unvergleichlichen Fragen und Kommentare – in Zukunft werden sie festgehalten!

Das Kinderbuchlädchen existiert jetzt in der vierten Woche und heute gab es hohen Besuch von den Erzieherinnen aus der Spielgruppe in der Begegnungsstätte. Das weckt immer schöne Erinnerungen an die Zeit, als unsere Tochter noch mit ihrem Wauwi, von der Erzieherin „Herr Hund“ genannt, in die Spielgruppe ging. Ohne Wauwi war nichts zu machen – auch nicht später im Kindergarten. Nachdem er dort allerdings so oft verlorengegangen war, dass die Erzieherinnen ihn nicht mehr suchen wollten, mussten wir zuhause einen eigenen Kindergarten für ihn bauen.

Und rate mal, was unsere Tochter dann mit zum Spielzeugtag nahm das garantiert niemand übersehen konnte? Genau, Molly, die riesige Eule aus Eules Bücherbaum.

Heute kam das Lesebett im Laden mal wieder ausgiebig zum Einsatz, jetzt ganz neu mit einem goldenen Korb, um Bücher aus der unteren Leseecke nach oben zu ziehen – ein voller Erfolg.

Auch Schneewittchen und die sieben Zwerge drehten auf der Spieluhr wieder ihre Runden und zwei  Kinder sahen ihnen lange dabei zu, bis die kleine Schwester schließlich fragte, wo denn der böse Wolf sei?

Meine Stammgäste, drei ausländische Geschwister, waren wieder da und „die Lange“ hat  das zweisprachige Buch „Bestimmt wird alles gut“ von Kirsten Boie aus dem Schaufenster genommen und mir auf Arabisch daraus vorgelesen. Die drei kommen aus dem Irak und sie kann Deutsch und Arabisch sprechen, lesen und schreiben! „Die Lange“ hat sie sich selbst genannt, weil sie am größten ist, wie wir feststellten, als ich alle an der Büchergiraffe gemessen habe. Heute sollte ich gemessen werden, aber die über 1,70cm verdanke ich nur meinen Schuhen – Lesen lässt einen eben doch nur innerlich wachsen…  Die Kleine hat mir die sauren Gummistreifen gezeigt, wegen der sie ihren Euro heute leider nicht bei mir ausgeben konnte. Ganz im Sinne von Astrid Lindgren: „Kinder brauchen Liebe, Süßigkeiten, und ab und zu ein Buch“. Der Bruder hat den zweiten Versuch unternommen, sich den Einhornbleistift aus der Schatzkiste auszusuchen („für eine Freundin“), aber seine Schwestern haben es ihm nicht erlaubt, und er musste mit dem Muschelradiergummi vorlieb nehmen. Vielleicht ein anderes Mal…

 

Bis morgen!