Donnerstag, 7. Oktober 2021 

Liebes Tagebuch,

ein paar der wunderschönen Handarbeiten von Malmsheimer Künstlerinnen im Laden haben „Füße bekommen“, ebenso wie verschiedene andere Kleinigkeiten. Bin ich sauer/ traurig/ enttäuscht? Kommt drauf an, wenn ich auf mich schaue, wahrscheinlich schon, wenn ich die schlauen emsigen Diebe betrachte eher nicht. Sie haben auf jeden Fall eine geschmackvolle Wahl getroffen… Immer eine blöde Situation – ich wünschte, einer von den tollen Detektiven aus meinen Kinderbüchern (Hund, Katze, Papagei, Hamster, Schildkrötenagentin Agathe oder von mir aus auf ihre alten Tage auch nochmal Emil oder Kalle Blomquist aus dem Lesebett) könnten mir helfen, den Fall auf die bestmögliche Weise zu lösen…

A propos Bücher aus dem Lesebett:  Hab heute gemerkt, dass man sich schon ziemlich anstrengen muss, wenn man die als Erwachsener durchgucken/ kaufen möchte, aber für etwas seltenere Buchschätze heißt es halt auch mal graben – oder ein Kind mitbringen, das für einen krabbelt und klettert…

Es gibt ein paar Probleme mit der Beleuchtung. Mein Mann rückte heute mit der Leiter an (mitten in einem Ponybuchverkauf) und hatte auch neue Birnchen besorgt, aber eins ging sofort kaputt und vier Lämpchen über dem Fenster lassen sich nicht austauschen. Mal sehen, wie sich das lösen lässt – da gibt es ja so viel zu sehen! Habe heute die Titel zum Tag der Deutschen Einheit aus dem Fenster geräumt und es mit Herbstbüchern bestückt. Interessanterweise ist Herbst immer die große Zeit für Waldtiere – als würden Eulen, Bären, Dachse, Igel, Eichhörnchen und Co. sonst nicht durchs Gehölz streifen.

Ich habe ein klasse Eichhörnchenbuch testgelesen: „Die Nussknackerbande“ von Lynne Rae Perkins. Es hat Freundschaft und Abenteuer und ist konsequent aus der Eichhörnchenperspektive geschrieben und das so superwitzig, dass man sofort in die nächstbeste Kindergruppe (Matheunterricht, Sportverein, Jungschar…) eindringen möchte und ungebeten anfangen vorzulesen. Allein schon die Stimmen von Jed, Chai und Tschk Tschk…

 

Bis nächste Woche! 

 

 

Mittwoch, 6. Oktober 2021

Liebes Tagebuch,

heute hat mir meine wunderbare Vermieterin ein Stück von ihrem frisch gebackenen Hefezopf  in den Laden gebracht. Er war noch warm, was mich daran erinnerte sie zu fragen, wie die Heizung funktioniert. Sie wusste es auch nicht, hat aber die Anleitung gefunden. Ich freue mich darauf, im Winter im Buchladen zu sein – und auf den ersten Schnee! Aber ich hoffe, dass es bis dahin kuschelig warm hier drin ist, und hell und heimelig und ideale Lesestimmung.

Der Hefezopf duftete betörend und ich habe ihn angeknabbert…

Leider war der zweite Besucher der Postbote, der meinen Namen immer wie eine Arie schmettert, und der hatte wenig ermutigende Post für mich. Es wird nicht einfach, den Laden zu finanzieren, aber das war natürlich klar. Es ist wie bei Sterntaler: himmlische Währung in Form von Freundlichkeit, schönen Begegnungen, begeisterten Kindern, Hefezopf… fällt mir in den Schoß, dass ich nur staunen kann, aber man kann leider nicht überall damit bezahlen.

Ich habe endlich die Kinderbücher aus dem Lesebett fertig inventarisiert. Das braucht immer etwas Extrazeit, weil es so viel Spaß macht, in den alten Kinderbuchschätzen herumzublättern. Wie ruhig und geordnet die Kinderbuchwelt in den 70ern und 80ern noch war…. Schön eingeteilt nach Anfangsbuchstabe, Anzahl, Tierart  oder Jahreszeit, doch alles hatte seine eigene Poesie und Verheißung. Das habe ich im Bilderbuch „Das Jahr beginnt im Januar“ von Hilde-Heyduck-Huth und Barbara Cratzius für den Oktober gelesen:

„Der Oktober sagt zu den Winden: Los! Ihr habt genug geschlafen! Reißt den Leuten die Hüte herunter und wirbelt ihre Jacken hoch! Zaust die Äste wild durcheinander, dass die bunten Blätter durch die Luft tanzen. Die Kinder haben schon so auf euch gewartet! Lasst die Drachen hochsteigen, immer höher über die kahlen Felder! Den Wetterhahn auf der Kirchturmspitze fasst am Schwanz und dreht ihn herum, bis ihm schwindlig wird. Und dann blast in die Kartoffelfeuer, dass die Flammen hochschlagen und der Rauch übers Land zieht. Die Äpfel und Birnen reißt ihr alle von den Bäumen. Nur die roten Hagebutten und die Sanddornbeeren lasst hängen. Die brauchen die Amseln und Krähen noch für den kalten Winter.“

 

Bis morgen!

 

 

Dienstag, 5. Oktober 2021

Liebes Tagebuch,

heute bleibt nicht viel Zeit zum Schreiben, da die Ladenzeit eingequetscht war zwischen Zahnarzt und Elternabend.

Dazwischen war viel los, und die Buchverkäufe und Bestellungen haben gezeigt, was Bücher alles können:

Bücher zum Trösten, um sich zu versöhnen, zum Erklären,  als Geschenk für den Gastgeber, fürs Wartezimmer , um von Gott zu sprechen und NATÜRLICH auch, um etwas über die tollsten Tierfähigkeiten zu erfahren und sich mit Piraten  oder der Eiskönigin zu treffen!

Die Magie ist da, manchmal verstärkt durch „Fell“ auf den Ponystickern, eine 3-D-Brille fürs Dinobuch oder  eine App mit Soundeffekten zum Buch, aber die Grundlage sind Wörter und Bilder, durch die eine Geschichte nicht nur lebendig, sondern auch verschenkbar wird.

 

Bis morgen!

 

 

Montag, 4. Oktober 2021   

Liebes Tagebuch,

das Tagebuchschreiben in meinem englischen Buchlädchen macht solchen Spaß, dass ich beschlossen habe, auch im Kinderbuchlädchen „Eules Bücherbaum“ damit anzufangen.

Das winzige wildgelockte Mädchen, das alle (also ALLE), Dinosauriernamen wissen wollte, der Junge der über eine Stunde gewissenhaft den Laden nach dem besten Geschenk für seinen Vater „und etwas für mich selbst“ durchsuchte und all die unvergleichlichen Fragen und Kommentare – in Zukunft werden sie festgehalten!

Das Kinderbuchlädchen existiert jetzt in der vierten Woche und heute gab es hohen Besuch von den Erzieherinnen aus der Spielgruppe in der Begegnungsstätte. Das weckt immer schöne Erinnerungen an die Zeit, als unsere Tochter noch mit ihrem Wauwi, von der Erzieherin „Herr Hund“ genannt, in die Spielgruppe ging. Ohne Wauwi war nichts zu machen – auch nicht später im Kindergarten. Nachdem er dort allerdings so oft verlorengegangen war, dass die Erzieherinnen ihn nicht mehr suchen wollten, mussten wir zuhause einen eigenen Kindergarten für ihn bauen.

Und rate mal, was unsere Tochter dann mit zum Spielzeugtag nahm das garantiert niemand übersehen konnte? Genau, Molly, die riesige Eule aus Eules Bücherbaum.

Heute kam das Lesebett im Laden mal wieder ausgiebig zum Einsatz, jetzt ganz neu mit einem goldenen Korb, um Bücher aus der unteren Leseecke nach oben zu ziehen – ein voller Erfolg.

Auch Schneewittchen und die sieben Zwerge drehten auf der Spieluhr wieder ihre Runden und zwei  Kinder sahen ihnen lange dabei zu, bis die kleine Schwester schließlich fragte, wo denn der böse Wolf sei?

Meine Stammgäste, drei ausländische Geschwister, waren wieder da und „die Lange“ hat  das zweisprachige Buch „Bestimmt wird alles gut“ von Kirsten Boie aus dem Schaufenster genommen und mir auf Arabisch daraus vorgelesen. Die drei kommen aus dem Irak und sie kann Deutsch und Arabisch sprechen, lesen und schreiben! „Die Lange“ hat sie sich selbst genannt, weil sie am größten ist, wie wir feststellten, als ich alle an der Büchergiraffe gemessen habe. Heute sollte ich gemessen werden, aber die über 1,70cm verdanke ich nur meinen Schuhen – Lesen lässt einen eben doch nur innerlich wachsen…  Die Kleine hat mir die sauren Gummistreifen gezeigt, wegen der sie ihren Euro heute leider nicht bei mir ausgeben konnte. Ganz im Sinne von Astrid Lindgren: „Kinder brauchen Liebe, Süßigkeiten, und ab und zu ein Buch“. Der Bruder hat den zweiten Versuch unternommen, sich den Einhornbleistift aus der Schatzkiste auszusuchen („für eine Freundin“), aber seine Schwestern haben es ihm nicht erlaubt, und er musste mit dem Muschelradiergummi vorlieb nehmen. Vielleicht ein anderes Mal…

 

Bis morgen!